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pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo zusammen,

zum Glück habe ich das Forum hier gefunden. Es hat mir gezeigt, dass ich nicht allein auf weiter Flur bin, und es noch mehr arme Schlucker gibt, deren Öfen einfach nicht heizen wollen. Viel wichtiger als das ist aber, dass es hier hoch kompetente Leute gibt, die nicht nur "nach Gefühl" eine Sache angehen.

Nun zu meinem Problem:
Ich habe mir einen Kombiofen zum Heizen meiner 70 qm (einem halb offenem Wohn-Essbereich mit Küche und Flur, geschätzte Heizlast 100 W/qm) einbauen lassen. Herzstück ist ein Brunner HKD 2.2 Tunneleinsatz mit 9 kW Nennheizleistung. Geschürt wird vom Flur aus, welcher auch warm wird. Der Heizeinsatz ist zur Warmluftproduktion ummauert und die Heizgase werden über keramische Züge durch die Speicherrückwand geleitet. Parallel zur Rückwand ist ein Ofenrohrstück von knappen 2m verbaut, welches mit einer Klappe zu 75% verschlossen werden kann (vor dem ersten Umbau als Anheizzug gedacht, jetzt als 2. Nachheizfläche für Warmluftproduktion konzipiert). Schornstein ist ein Leichtbauschornstein (180 mm Edelstahlrohr, mit 4 cm Steinwolle gedämmt und in einem aus Brandschutzplatten erstelltem quadratischem Kanal verbaut, also auch mit Hinterlüftung). Von der Kuppel des Einsatzes ist es bis zur Schornsteineinmündung ein knapper Meter, darüber sind noch einmal 3,5 m Schornstein im Haus und 1,5m über dem Dach im Freien und zu guter Letzt noch ein 40 cm ungedämmtes Edelstahlrohr mit Regenhaube.

Nun heizt leider der Ofen überhaupt nicht, d.h. selbst im Aufstellzimmer bekomme ich bei + 12°C Außentemperatur keine 24°C, wie sollen da die anderen beiden Zimmer warm werden? Habe etliche Messreihen unternommen, brav das Holz abgewogen (rein Buche mit 17% Restfeuchte) und heize ungefähr mit Nennleistung, d.h. alle 2 Std. 5 kg Holz. Leider hat mir meine Frau verboten Messreihen bei einer Temperatur unter 5°C Außentemperatur OHNE Zentralheizung zu machen, da es dann einfach viel zu kalt ist.

Spasseshalber habe ich mal eine Messreihe mit einem 2 kW Heizlüfter gemacht und kann sagen, dass der Ofen nicht viel besser ist. Zwei von diesen Heizlüftern schlagen den Ofen in jedem Fall um Längen.

Zum Glück ist unser Ofenbauer ein echt netter Kerl, er hat auch schon anstandslos nachgebessert (zweite Nachheizfläche siehe oben) und auch auf seine Kosten einen Gutachter bestellt, aber heizen tut der Ofen deshalb noch immer nicht. Stutzig bin ich nun aber erst durch den Gutachter geworden. Er hat sozusagen den Bau des Ofen nach Fachregeln bestätigt und sagte, dass wenn der Ofen nach Fachregeln erstellt wurde er auch den gesetzlich geforderten Wirkungsgrad von 85% hat. Nur hat er an dem Ofen rein gar nichts gemessen, kein Schornsteinzug, keine Temperaturen, lediglich den Zuluftquerschnitt. Gerechnet hat er schon gar nichts. Aber er hat die Leistung der keramischen Nachheizfläche in Übereinstimmung mit dem Ofensetzer (ca. 1 qm) mit ca. 800 - 1000 W angegeben.

Und das kommt mir jetzt sehr komisch vor, denn im Datenblatt des Heizeinsatzes steht, dass dieser 30 % seiner Wärme über die Heizgase abgibt. Mit einer Nennheizleistung von 9 kW sind das ja 2,7 kW. Wenn ich nun den Ofen sagen wir 8 mal täglich mit 5 kg Holz füttere, dann sind das ja 40 kg oder 160 kWh Feuerungsleistung und davon 85% sind runde 136 kWh, davon entfallen ja 30% auf die keramische Nachheizfläche, also etwa 41 kWh. Selbst wenn die Nachheizfläche über 24 Std. 1 kW abgeben würde, würde ich ja dann 17 kWh den Schornstein rausblasen. Und dabei habe ich den Ofen noch nicht einmal mit Nennheizleistung befeuert. Wenn ich mit meiner Überlegung Recht habe, dann könnte ich den Ofen tgl. mit max. 94 kWh befeuern (wirkungsgrad 85% -> 80 kWh, davon 30% -> 24 kWh, also 1 kW über 24 Std.) von jedem weiteren Scheit würden über 30 % den Schornstein rausgehen.

Deshalb meine Fragen:

1) Habe ich da Recht mit meinen Überlegungen? Kann der Ofen überhaupt dann seine 85% Wirkungsgrad bei Nennleistung haben?

2) Wenn nein, wie kann er dann nach Fachregeln erstellt worden sein?

3)Bisher habe ich noch keine Wirkungsgradberechnung / Funktionsnachweis / Schornsteinberechnung vorliegen, der Ofen wurde ja nach Gefühl gebaut.... Ist der Ofensetzer verpflichtet dies zu tun?

4)Ist der ungefähre Wirkungsgrad messtechnisch zugänglich? Ich rede jetzt nicht von plusminus 5%, das wäre mir egal, aber grob geschätzt hat der Ofen keine 4 kW echte Heizleistung.

Für Hinweise jedweder Art bin ich sehr dankbar.

Viele verzweifelte Grüße,
Oli
02.01.14, 20:09:53

Kelpin

(Moderator)

Hallo Oli,
bitte langsamer und klarer.
  • Die Züge befinden sich in einem Ofenkörper im Wohnzimmer?
  • 70% der Heizleistung fallen als Warmluft an. Wo geht die hin? ausschliesslich in den Flur?
  • Kannst Du Abgastemperaturen messen, vorzugsweise im Schornstein (Putzklappe)?

Gruß

------------------------- Kelpin -------------------------
02.01.14, 22:33:31

begeka

(Senior Member)

geändert von: begeka - 03.01.14, 00:02:58

Hallo Oli,
ich bin ein Neuling in Sachen Grundofen. Ich heize seit 3 Monaten mit einem 3kW Grundofen Wohnzimmer und Küche (ca 50m^2) mit einem Abbrand in 24h von 6 bis 7kg auf 22 bis 23°C. Der Ofen hat vermutlich einen Wirkungsgrad von mehr als 85%. Wenn dein Ofen einen Wirkungsgrad von 85% hätte, dann sollte es sehr warm werden im Zimmer.
Warum sollte dein Ofen 8mal mit 5kg beschickt werden? Dann ist das kein Grundofen, denn die Menge ist zu klein für die geforderte Leistung. Mein kleiner Grundofen muss mit mindesten 5,5kg pro Abbrand beschickt werden!

Gesetzliche 85% Wirkungsgrad wären eine Herausforderung für die Ofenbauer. Gefordert sind, soweit ich weis, "nur" 78%. Das wird bei mittleren Abgastemperaturen (Vbs) zwischen 220°C und 230°C erreicht.

Den Wirkungsgrad kann man am leichtesten über die Abgastemperatur am Schornsteineingang (Ofenausgang) abschätzen. Für Öfen, die nach EN 15544 erstellt wurden, gibt es dann einen einfachen Zusammenhang über eine Funktion 3. Grades von der Durschnittstemperatur am Schornsteineingang (Vbs). Diese Funktion kann man ohne großen Fehler im relevanten Bereich linearisieren (vergl.Wirkungsgrad.pdf).
LG,
begeka
Dateianhang:

 Wirkungsgrad.pdf (39.33 KByte | 23763 mal heruntergeladen | 912.7 MByte Traffic)

03.01.14, 00:01:53

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Kelpin,

erstmal Danke für Deine Antwort.
Also, die keramischen Züge (dürften zwischen 2m und 2,5 m lang sein) befinden sich als beheizte Lehne einer Sitzbank neben dem Einsatz im Wohnzimmer. Sie hat keine Luftschlitze, sondern ist "massiv" mit Speichersteinen gebaut.

Die Wärmeverteilung laut Datenblatt sieht folgendermaßen aus:

30% Sichtscheiben
40% Heizeinsatz (Mantelfläche)
30% Nachheizflächen

Ob das jetzt reine Warmluft oder Strahlungsleistung ist, lässt sich ja oft nicht genau sagen, denn an den Scheiben entsteht ja auch warme Luft, aber deutlich mehr Strahlung, beim Einsatz genau anders herum.

So, eine Scheibe zeigt zum Flur, die andere ins Wohnzimmer.

Der Hülle um den Einsatz hat ein Deckengitter, welches ins Wohnzimmer mündet und ein tiefer gelegenes Wandgitter, welches in den Flur mündet. Allerdings strömt aus dem Gitter im Flur keine warme Luft heraus, sondern es wird Kaltluft aus dem Flur angezogen (Feuerzeugtest), da erstens die Seitenwände des Einsatzes "kalt" bleiben (für wenige Sekunden anfassbar), da sie doppelwandig sind und der Erwärmung der Sekundärluft dienen und zweitens weil das Deckengitter höher liegt als das Wandgitter. (nur Zitate des Gutachters).

Also letztlich wird der Flur über eine Scheibe beheizt und der Rest wird als Strahlung und Warmluft ins Wohnzimmer geleitet. Wie gesagt dort Temperaturen maximal bis 24°C möglich bei +12°C außen.

Im Moment ist es noch so, dass der Ofen auch ein Problem beim Abbrand hat, d.h. er zieht in heißem Zustand schlechter als im Kalten, d.h. ein Nachlegen direkt auf das Glutbett ist so gut wie nicht möglich, es dauert gut eine halbe Stunde nach Abbrandende, ehe die Scheite beim nachlegen direkt wieder Feuer fangen. Und nach 2 Abbränden sind die Scheiben schwarz. Deshalb ist demnächst auch ein Termin mit dem Brunnerservice vereinbart.

Leider kann ich keine Heizgastemperaturen messen, da ich so ein Thermometer (noch) nicht besitze, denke aber dass ich im Moment noch zu viel chemische Verluste wegen schlechter Verbrennung habe, dass die Temperatur eh nicht aussagefähig wäre.

Aber wie gesagt ist der schlechte Abbrand "erst einmal nebensächlich", denn das wird hoffentlich der Brunnerservice hinbekommen.

Meine Frage bezieht sich momentan eher auf die Dimensionierung der Nachheizfläche. Wenn die nur 1 kW abgeben kann und nach 2 Abbränden voll durchgeheizt ist, wie kann die dann die 30% der Nennheizleistung (2,7 kW) verwerten?

Aktuell sollten zum Heizen der Räume ja eigentlich die 70% der 9 kW voll auf genügen.

Wie Du siehst ist mein Ofen funktionell echter Mist auch wenn er optisch unsere Erwartungen mehr als erfüllt.

Werde morgen mal ein paar Bilder posten falls nötig.

Gruß
Oli
03.01.14, 00:30:02

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo begeka,

auch Danke für Deine Antwort, hast geantwortet, während ich noch geschrieben habe.

Also:

Ich habe gar keinen Grundofen, sondern einen Kombiofen, d.h. 70% der verbrannten Energie geht als schnelle Wärme mittels Konvektionsluft und Strahlung durch die Scheibe in den Raum. Als Speicher dient lediglich die Rückwand, die mit 30% der Leistung gefüttert wird. Mein Einsatz darf maximal mit 4,5 kg Holz befüllt werden, was einer Feuerungsleistung von ca. 18 kW enstpricht. Ausgelegt ist er aber für 9 kW, was entweder alle 2 Stunden diese 4,5 kg oder jede Stunde 2,5 kg Holz entspricht.

Von einem reinen Grundofen hat uns der Ofenbauer abgeraten, da der Grundofen ja nicht um die Ecke strahlen kann, ein Wärmetransport in die anderen Räume sei nur mittels Konvektion möglich. Außerdem hatte unser Architekt und Statiker bedenken gegen einen 2000 kg Ofen.

Hab noch einmal den Wirkungsgrad ergoogelt, also für Kachelofeneinsätze, die ab dem 22.3.2010 errichtet worden sind, gilt ein Mindestwirkungsgrad von 80%. Oder sehe ich das falsch?

Naja, Deine Tabelle gilt ja nur für Öfen, die nach Fachregeln erstellt worden sind und das genau bezweifle ich aus o.g. Überlegungen...

Gruß
Oli

03.01.14, 00:53:38

Theo Kern

(Administrator)

Richtig, das ist ein Kombiofen (Warmluftofen).

Die "geprüften" 80% Wirkungsgrad entstehen natürlich nur zusammen mit einer entsprechend dimensionierten Nachheizfläche. Diese Nachheizfläche müsste, sofern sie als gemauerter Zug erstellt wird, vom Ofenbauer berechnet und dementsprechend gebaut werden.

In der Praxis aber wird das wohl selten gemacht.
Die meisten Ofenbauer wissen aus der Praxis mit welchen Zuglängen so ein Heizeinsatz gut funktioniert. Ob dabei der Wirkungsgrad stimmt wird ja, wegen des "Persilscheines" äh Prüfbescheinigung, nicht nachgeprüft.

Die "Qualifikation" des "Gutachters" ergibt sich aus seinem Vorgehen.

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 07:06:03

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Herr Kern,

vielen Dank für Ihre Antwort, aber was ist mit meinen Überlegungen?

Zitat:
Und das kommt mir jetzt sehr komisch vor, denn im Datenblatt des Heizeinsatzes steht, dass dieser 30 % seiner Wärme über die Heizgase abgibt. Mit einer Nennheizleistung von 9 kW sind das ja 2,7 kW. Wenn ich nun den Ofen sagen wir 8 mal täglich mit 5 kg Holz füttere, dann sind das ja 40 kg oder 160 kWh Feuerungsleistung und davon 85% sind runde 136 kWh, davon entfallen ja 30% auf die keramische Nachheizfläche, also etwa 41 kWh. Selbst wenn die Nachheizfläche über 24 Std. 1 kW abgeben würde, würde ich ja dann 17 kWh den Schornstein rausblasen. Und dabei habe ich den Ofen noch nicht einmal mit Nennheizleistung befeuert. Wenn ich mit meiner Überlegung Recht habe, dann könnte ich den Ofen tgl. mit max. 94 kWh befeuern (wirkungsgrad 85% -> 80 kWh, davon 30% -> 24 kWh, also 1 kW über 24 Std.) von jedem weiteren Scheit würden über 30 % den Schornstein rausgehen.

Deshalb meine Fragen:

1) Habe ich da Recht mit meinen Überlegungen? Kann der Ofen überhaupt dann seine 85% Wirkungsgrad bei Nennleistung haben?

2) Wenn nein, wie kann er dann nach Fachregeln erstellt worden sein?

3)Bisher habe ich noch keine Wirkungsgradberechnung / Funktionsnachweis / Schornsteinberechnung vorliegen, der Ofen wurde ja nach Gefühl gebaut.... Ist der Ofensetzer verpflichtet dies zu tun?

4)Ist der ungefähre Wirkungsgrad messtechnisch zugänglich? Ich rede jetzt nicht von plusminus 5%, das wäre mir egal, aber grob geschätzt hat der Ofen keine 4 kW echte Heizleistung.


Viele Grüße,
Oli
03.01.14, 07:09:06

Theo Kern

(Administrator)

Klar ist der Ofenbauer verpflichtet den Ofen vorher zu berechnen wenn er einen gemauerten Zug einbaut.
Dieser Teil des Ofens wird ja von ihm bestimmt.

Machen Sie eine Messung der Abgastemperaturen.
Dazu setzen Sie einen Thermofühler in das Übergangsstück (Ofenrohr) und notieren Sie die Temperaturen jede Minute.
Daraus lässt sich der Wirkungsgrad abschätzen.
allerdings nur dann wenn Sie gleichzeitig auch die Temperatur im Heizeinsatz loggen.
Es könnte ja auch sein dass die Verbrennung schlecht ist.

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 07:44:09

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Herr Kern,

vielen Dank für die Info.
Aktuell ist die Verbrennung schlecht, deshalb sind die Temperaturen gerade nicht aussagekräftig.
Aber was sagt die Theorie zu meinen Überlegungen?

Gruß
Oli
03.01.14, 08:09:46

Theo Kern

(Administrator)

Ich weiß ja nicht wie Sie auf die 85% Wirkungsgrad kommen.
Haben Sie diese mit dem Ofenbauer vereinbart?

Wenn der Ofen entsprechend gebaut wäre dieser Wirkungsgrad schon machbar. Dazu müsste der Zug entsprechend lang ausgelegt sein. Da der Ofen ja aber mit dem kurzen Zug schon nicht richtig brennt ist der Zug vermutlich nicht, oder falsch, berechnet.

Die angegebenen Prozentsätze sind nicht mehr als Hausnummern.
Auf der Basis lässt sich gar nichts berechnen.



Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 08:55:23

pyromanenoli

(Senior Member)

geändert von: pyromanenoli - 03.01.14, 09:55:29

Hallo Herr Kern,

die 85% waren ein Irrtum von mir - ich dachte dies sind die gesetzlich vorgeschriebenen. Sind aber nur 80% für Kachelofeneinsätze. Vereinbart war ein nach Fachregeln gebauter 9 kW Kombiofen. Es war zumindest schriftlich nicht vereinbart, in wie weit er die Räume heizen muss. Mündlich zugesichert war ein Ofen, der diese 70 qm heizt. Ist aber auch egal, denn die 9 kW Nennleistung bei gesetzlich vorgeschriebenem Mindestwirkungsgrad muss er dennoch bringen.

Klar sind die 30% Wärmeabgabe für die Nachheizfläche nur eine grobe Angabe. Aber selbst wenn es nur 20% wären (was eine Abweichung vom Prüfstand um 33% entspräche), wäre das noch immer fast die dopelte Leistung der Rückwand. Also ein Verlust von 800 W, was ja schon per se fast 10% sind, oder?

Entweder heizt sich die Rückwand so stark auf, dass die 1 qm eine Leistung von 2,7 kW haben, was aber von der Oberflächentemperatur wohl nicht mehr als Rückenlehne einer Sitzbank taugen kann, oder aber die Enerie verschwindet im Schornstein.

Berechnet hat der Ofenbauer nach seinen Angaben nichts, er hat es nach Bauchgefühl gebaut.

Können Sie meine Überlegungen nachvollziehen? Wenn ich damit richtig liege, dann kann ich mir nämlich fürs erste einen selbstbestellten Gutachter und aufwendige Messreihen sparen. Glauben Sie mir, vor Gericht zu gehen ist das allerletzte, was ich will.

Gruß
Oli

03.01.14, 09:42:13

Nikolo

(Senior Member)


Hallo!

Wieder ein Ofenbauer, der so eine Heißluftschleuder verbaut und nicht hingekriegt hat.
Ich gehöre auch zu jenen, die als allerletzten Ausweg ein Gericht anrufen.
Aber Ihnen wird wohl nichts anderes übrig bleiben und Sie werden den Klagsweg beschreiten müssen.
Dieser Hafner wird doch kein Zuckerbäcker sein. verwirt

Gruß, Nikolo

Lebensmotto: "Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füge keinem anderen zu!"
03.01.14, 10:05:29

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Nikolo,

genau das glaube ich nicht, denn der Hafner ist wirklich ein netter Kerl. Bis jetzt hat er durch sachliche Argumente einiges nachgebessert und veranlasst. Einbau einer zweiten Nachheizfläche (fast 4 Arbeitstage), die aber wohl leider auch zu gering dimensioniert ist, Bestellung eines Gutachters und Bestellung des Brunnerservice, der demnächst noch vorbei kommt.
Wenn ich ihm anhand dieser Überlegungen schon sagen kann, dass der gesetzliche Wirkungsgrad nicht erreicht werden kann, dann wird er nachbessern, ohne wenn und aber - da bin ich mir sicher.
Deshalb poche ich ja so darauf, dass mir jemand sagen kann, ob Meine Überlegung zwecks Rückwand korrekt sind. Oder ob ich einen gravierenden Denkfehler habe.

Gruß
Oli
03.01.14, 10:21:26

Theo Kern

(Administrator)

Klar muss der Mindestwirkungsgrad geliefert werden.
Ebenso wie die beim Heizeinsatz angegebenen Emissionswerte
eingehalten werden müssen.

Nur können Sie den Wirkungsgrad auf diese Art nicht errechnen.

Sie brauchen jemanden der den Ofen fachgerecht prüft. Mit einem der üblichen Gutachter werden Sie da aber kaum Glück haben. Die machen das, wenn sie selbst Öfen bauen, meist auch nicht anders. Vermutlich gibt es Ausnahmen, ich kenne aber keine.

Lassen Sie die Qualität der Verbrennung (CO) messen. Das kann z.B. ein Schornsteinfegermeister machen. Der kann dann auch, wenn die Verbrennungsqualität passt, aus der mitgeloggten Abgastemperatur auch auf den Wirkungsgrad schließen.

Das kostet Sie nicht viel und gibt Ihnen was an die Hand.

In jedem Fall ist es aber das Beste wenn Sie dem Ofenbauer die Gelegenheit geben sein Werk selbst zu überdenken und in Ordnung zu bringen.

Sie schreiben im ersten Thread davon dass der Anheizzug nachträglich mittels einer Klappe zur Nachheizfläche umkonfiguriert wurde. Das ist natürlich Kokolores und deutet wieder darauf hin dass der gemauerte Zug nicht richtig ausgeführt wurde.

Was für einen Schornstein haben Sie denn? Querschnitt, Bauart, Länge?

Für die Bemessung des Zuges ist sowohl der Heizeinsatz als auch der Schornstein maßgebend.
Er bestimmt die mögliche Länge und den nötigen Querschnitt desselben.

9kW reichen selbst im sehr schlecht gedämmten Altbau aus um einen Raum von 70m² selbst bei Außentemperaturen von -12°C gut ausreichend zu beheizen.
Da dies bei Ihnen nicht mal mit den z.Zt. milden Außentemperaturen gelingt sagt schon alles.





Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 10:31:38

pyromanenoli

(Senior Member)

geändert von: pyromanenoli - 03.01.14, 10:52:55

Hallo Herr Kern,

der Schornstein ist ein Leichtbauschornstein LBK von SEM (180 mm Edelstahlrohr, mit 4 cm Steinwolle gedämmt und in einem aus Brandschutzplatten erstelltem quadratischem Kanal verbaut, also auch mit Hinterlüftung). Es sind 3,5 m Schornstein im Haus und 1,5m über dem Dach im Freien und zu guter Letzt noch ein 40 cm ungedämmtes Edelstahlrohr mit Regenhaube. Also wirksame Höhe ab Schorsteineintritt 5,4m.

Zitat:
Sie schreiben im ersten Thread davon dass der Anheizzug nachträglich mittels einer Klappe zur Nachheizfläche umkonfiguriert wurde. Das ist natürlich Kokolores und deutet wieder darauf hin dass der gemauerte Zug nicht richtig ausgeführt wurde.


Also der Anheizzug wurde um 1,5 m mittels Ofenrohr verlängert (zur Warmluftproduktion) und soll so als Alternative zur Rückwand dienen. Dieser Anheizzug kann mittels Klappe zu 75% verschlossen werden, so dass die Heizgase dann durch die Rückwand geleitet werden.

Soll ich mal ein Schema posten?

Aktuell heize ich mit meinen 3 Heizkörpern. Die haben zusammen so ca. 6 kW bei 70/50 V/R Temperatur. Damit bekomme ich die Bude spielend warm und ich bin noch lange nicht bei 70°C Vorlauftemperatur.

Aber nochmal: Wie passen DURCHGEHEND 2,7 kW in den Heizgasen mit einer 1kW Nachheizfläche zusammen?

Gruß
Oli
03.01.14, 10:39:26

Theo Kern

(Administrator)

Da ich den Zug nicht kenne kann ich das nicht beantworten.
Je nachdem wie der Zug gebaut ist kann er auf 5 Seiten Wärme abgeben.
Ich weiß ja auch nicht wie Sie auf diese Werte überhaupt kommen.
Ich weiß nicht wieviel Wärme der Zug speichert, kenne weder seine Masse noch die Eintritts- und Austrittstemperatur.

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 11:31:13

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Herr Kern,

also die 1 kW kommen vom Ofenbauer und Gutachter, ist einfach auf die Fläche der Züge bezogen.
Ein paar Bilder, die den AUfbau verdeutlichen.

Gruß
Oli
Dateianhang (verkleinert):

 Ofen 1.jpg (138.73 KByte | 23816 mal heruntergeladen | 3226.54 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Ofen 2.jpg (131.89 KByte | 23628 mal heruntergeladen | 3043.21 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Ofen 3.jpg (188.24 KByte | 23863 mal heruntergeladen | 4386.74 MByte Traffic)

03.01.14, 12:11:01

Theo Kern

(Administrator)

Warum hat der Ofenbauer den vorhandenen Platz für den Zug nicht bis zum Boden genutzt?

Steht der Leichtbauschornstein kraftschlüssig auf dem gemauerten Zug? Da sind Abrisse zu erwarten.

Die Fläche und die Länge des Zuges ist mehr als bescheiden, nach hinten und nach rechts kann er keine Wärme abgeben.

Das eine kW mag stimmen, ist aber sehr wenig.
Der Anheizzug ist überflüssig und als Nachheizfläche geradezu schädlich. Je nach Abbrandphase gehen dadurch die gesamten Rauchgase fast ungenutzt in den Schornstein.
Aus welchem Grund sollten die Rauchgase noch nennenswert durch den gemauerten Zug gehen?
Das muss in jedem Fall wieder weg.

Der Schornstein ist groß und lang genug.

Ich hätte hier die Rauchgase mittels Rauchrohr auf dem Einsatz nach oben, am besten bis unter die Decke, geführt. dann einen gemauerten Sturzzug bis auf den Boden und dann wieder hoch bis zur Decke.
Den Zug hätte ich in Dichtschamotte ausgeführt.

Den Schornstein dann dorthin wo ersteht auf einen gemauerten Sockel, keineswegs auf den Zug.

Dann hätte der Ofen ca. 4m Zug und dann hätte das auch gepasst.



Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 14:14:48

pyromanenoli

(Senior Member)

Hallo Herr Kern,

er hat ihn nicht bis zum Boden geführt, da er dachte der Schornstein ist zu klein.

Der Anheizzug, welcher nun insgesamt so 2m lang sein dürfte wird durch eine Klappe verschlossen, so dass man die Heizgase durch die Rückwand leiten kann.

Bisher waren wir froh über dieses verlängerte Rohr, da die Rückwand bereits nach zwei Abbränden mit 4,5 kg unglaublich heiß wird. Aber mit 9 kg Holz ist unser Wohnzimmer immer noch kalt und müssen deshalb weiter heizen. So nimmt die Rückwand wenigstens keinen Schaden.

Aber nun zurück zu meiner Überlegung mit 1 kW Rückwand und 2,7 kW Heizgase. Kann nun schon aus konstruktionstechnischen Gründen der Ofen keinen vorgeschriebenen Mindestwirkungsgrad erreichen?

Ja, den Schornstein hat er direkt auf den Zug gestellt. Es ist so eine Art Sockel dazwischen, aber an der Wand befestigt ist der Schornstein nicht.

So wie sich das für mich jetzt anhört ist der Ofen NICHT fachgerecht ausgeführt, oder?

Könnte es sein, dass der zu kurze Zug dem Schornstein zu wenig Widerstand entgegensetzt, so dass ich eine viel zu hohe Luftzahl habe? Der Schornsteinzug kurz vor Eintritt in den Schornstein beträgt bei Betriebstemperaturen so zwischen 14 und 18 Pa.

Was muss denn ein fachgerechtes Gutachten alles beinhalten?

Wie soll ich vorgehen? Erstmal einen rechnerischen Funktionsnachweis verlangen?

Gruß
Oli
03.01.14, 14:45:19

Theo Kern

(Administrator)

Der Anheizzug ist Blödsinn weil durch diesen dann die Rauchgase zum Schornstein gehen statt die Schamotte aufzuwärmen. Dass der richtig heiß wird glaube ich gerne.
Das ist aber gerade der Fehler.
Die Klappe lässt auch in geschlossenem Zustand viel zu viel Wärme durch.

Was Sie mit Ihren 2,7kW meinen ist mir nicht klar.

Es ist zwar sicher kein Schaden wenn jemand "denkt". Das hier aber muss gerechnet werden.

Der Ofen kann den richtigen Wirkungsgrad nur erreichen wenn der Zug lang genug ist. Dafür muss der Ofenbauer rechnen.

Verlangen Sie einen rechnerischen Funktionsnachweis.
Dann sehen wir weiter.

Der Wirkungsgrad eines jedweden Ofens, ob das ein Grundofen, ein Warmluftofen oder was auch immer ist errechnet sich ganz einfach aus der eingebrachten Energiemenge (hier Holz) und der, durch den Schornstein verlorenen Energie (Abgasverlust). Voraussetzung ist aber immer dass der Ofen auch richtig brennt.



Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
03.01.14, 15:39:41
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